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Evangelischer Posaunenchor Essen-Kray wurde 100 Blasen zum Lobe Gottes
Sein 100jähriges Bestehen feierte der Posaunenchor Essen-Kray am 11. März 2001 mit einem Festkonzert in der Alten Kirche. Verstärkt wurde der Chor
durch das "Ensemble Fiati", sechs befreundete Berufsmusiker, von denen einige aus dem Krayer Posaunenchor hervorgegangen waren. Gemeinsam haben sie ein reichhaltiges Programm gemeistert, das viel Beifall
fand.
Nach einem Jahrhundert Bestehen erinnerte Pfarrerin Bärbel Wilmschen in einer Laudatio an die wechselvolle Geschichte des Posaunenchores. Am
13.2.1901 verzeichnet das Protokollbuch des "Evangelischen Jünglings- und Männervereins" die Idee, einen Posaunenchor zu gründen und verschiedene Förderer zu bitten, sich an den Kosten für die Instrumente
zu beteiligen. Schon 14 Tage später beschließt die Jahresversammlung des Vereins, fünf Instrumente anzuschaffen. Sie sollen aus den Barbeständen der Vereinskasse vorfinanziert werden – offenbar wollte man zügig zu
einem spielfähigen Chor kommen. Das ist auch gelungen, denn schon im folgenden Jahr werden zwei weitere Instrumente gekauft. Und als 1903 die Kirche eingeweiht wird, eröffnet der Posaunenchor den Festtag mit einem
Blasen vom Turm der neuen Kirche.
Zum ersten Leiter des Chores wird Wilhelm Aßhauer gewählt. Später folgen Walter Kiehl und Wilhelm Goldbach, der nach 40 Jahren Dienst im
Posaunenchor von seinem Sohn Willi abgelöst wird. Heute leitet Thomas Goldbach den Posaunenchor, ein Mitglied aus der dritten Generation der Goldbach-Bläser.
Manch kleine Geschichte rankt sich um die hundert Jahre Tätigkeit eines Chores. Von Pfarrer Stokmann ist überliefert, dass er vor dem
Altar stehend ein Instrument in die Höhe hielt und rief: "Wir sammeln heute für ein neues Flügelhorn!" Bei der anschließenden Kollekte kam dann das Geld dafür zusammen. Die Räumlichkeiten, in denen der
Chor proben musste, waren indes abenteuerlich: In einem Schuppen hinter dem Haus des Chorleiters Walter Kiehl, in der Waschkaue von Schacht 3 der Zeche Bonifatius, später im umgebauten Kalbfleischhof in Leithe oder
im Hinterraum des ehemaligen Konsums in der Lentorfstraße zwischen Kisten und Kästen. "Doch all das" – so Bärbel Wilmschen – "konnte das Engagement der Mitglieder nicht hemmen. Kein Weg war zu weit,
um gemeinsam zu musizieren, um Gottesdienste festlich zu gestalten." In den 40er Jahren beginnt ein bis heute beliebter Brauch des Posaunenchores: am Heiligen Abend an verschiedenen Orten im Stadtteil
Weihnachtslieder zu blasen.
Auch Streit gab es im Posaunenchor und Unfrieden zwischen zwei rivalisierenden Gruppen. Dennoch hat sich der Posaunenchor bis heute
erhalten. Bärbel Wilmschen weiß das zu erklären: "Ein Grund für diese ungebrochene Tradition mag sein, dass ihre Musik nie nur Selbstzweck war, sondern sich immer als Verkündigung verstand, zum Lobe Gottes und
zur Freude für die Hörenden."
Lothar Albrecht
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